Die OSPA macht‘s möglich: Segeln für alle im Segelstadion

Neben den Traditionsseglern auf dem Wasser und dem Volksfest an Land komplettierten die Regatten und Events im OSPA-Segelstadion das umfangreiche Programm der 27. Hanse Sail.

Die kleinsten Rostocker Segler bildeten am Sail-Donnerstag den Auftakt der Wettkämpfe. 15 Kinder segelten in ihren „Nussschalen“, jedes benannt nach einer der Rostocker Partnerstädte, um den Sieg beim Partnerstädtepokal. Bei guten Windbedingungen freuten sich vor allem die Zuschauer und Segel-Eltern, endlich mal so nah an den Kindern dran sein zu können, denn normalerweise findet Segeln weit entfernt von der Küste statt. Max Rabe vom See-und Segelsportverein Rostock freute sich nach sechs Wettfahrten, ganz oben auf dem Treppchen zu stehen und den Wanderpokal überreicht zu bekommen, gestiftet vom Hanse Sail-Büro. Aber auch die anderen Kinder hatten ihren Grund zur Freude – denn das OSPA-Segelstadion bietet noch viel mehr als Segeln.

Eines der Highlights war die Schauinsland City Slide Riesen-Wasserrutsche. Einzige Voraussetzung: 1,20 Meter Körpergröße. Ansonsten waren dem Adrenalinflash keine Grenzen gesetzt. „Wir sind bei jedem Wetter da, denn nass wird man sowieso. Wenn man einmal gerutscht ist, hat man den richtigen Kick und will immer wieder“, verriet Markus Kaschke, einer der Organisatoren. Während die Kinder auf der Rutsche ins „sliden“ kamen, wurde am Donnerstagnachmittag auf dem Wasser eine alte Fehde ausgetragen. Drei Rostocker Vereine wollten in ihren J/70 Booten auf heimischem Revier dem Team vom Akademischen Segelverein Warnemünde zeigen, wer auf dem Wasser die Oberhand hat. Doch der Sieg beim OSPA Warnow-Cup ging ins Ostseebad. Die „Fischerdörfler“ standen kurz vor dem Aufstieg in die erste Deutsche Segel-Bundesliga und konnten mit zwei Punkten Vorsprung zeigen, dass sie es auch auf einem Binnenrevier drauf haben.

Wem die Boote im Stadion noch immer nicht nah genug waren, konnte sich übrigens mit Studenten der Uni Rostock in ein eigens konstruiertes Waterbike setzen und dem Geschehen noch näher entgegenstrampeln, jedoch sollte ein Wort der Warnung ausgesprochen werden: Trocken steigt man dort nicht mehr aus, da so manche Welle der Wasserski-Show oder des Schlauchboot-Balletts auch mal über die Reling schwappt. Die Ostseesparkasse Rostock, HEPA Zitec, Volvo und Eurawasser waren die großzügigen Unterstützer des gesamten Programms im Segelstadion. Dank ihrer Hilfe erfreuten sich auch die Teilnehmer des Baltic Sail Nations Cup über eine gelungene Veranstaltung und tolle Preise. Die sechs Teams aus Rostock, Danzig, Riga, Bremen, Stettin und Rheinland-Pfalz mussten sich zwar mit schwachen Winden begnügen, sind aber trotzdem ein Beispiel für die gelungene Völkerverständigung, die für die gesamte Hanse Sail prägend ist. Die Danziger Crew stach am Ende als strahlender Sieger heraus.

Das OSPA-Segelstadion ist Heimat des Segelsports und der Team-Kultur

Am Sail-Wochenende kämpften zahlreiche Wassersportler um Treppchenplätze, während einige „Landratten“ Mut bewiesen und sich aufs Wasser trauten.

Die Regatten im OPSA-Segelstadion standen an den letzten beiden Sail-Tagen 2017 ganz im Sinne des Teamworks. Den Auftakt bildete am Sonnabend der German Team Cup der Optimisten. Nach Hamburg, Prien am Chiemsee und Travemünde hatte diese Regattaserie nun ihre Premiere auf der Warnow. Im Oktober findet das Finale in Berlin statt und entscheidet endgültig, welche Gesamtsieger die Ehre haben, am internationalen Teamrace gegen Optikids aus der ganzen Welt anzutreten. Wer als Segler aufgrund von Alter und Größe nicht mehr in den Optimisten passt, konnte sein Können bei der MV Meisterschaft der Segelvereine unter Beweis stellen. In den schnittigen J/70 Booten setzte sich nach zwei Segeltagen der Erstligist der Deutschen Segel-Bundesliga, der Schweriner Yachtclub, punktgleich, jedoch mit besseren Einzelergebnissen, vor dem Zweitligisten aus Rostock, dem Akademischen Segelverein Warnemünde, durch. Die anschließende Sektdusche erfrischte die Sportler nach einem sonnigen Segeltag.

Nach schwachen Winden und Nieselregen (unter Seglern bekannt als Gratis-Peeling) am Sail-Samstag war Petrus dann doch noch gnädig und entschädigte mit ausgezeichneten Bedingungen am Sonntag alle Gäste. Nicht alle stöhnten über den leichten Wind – die SUP’ler freute das glatte Wasser bei ihrem 3. Teamsport CUP der AOK. Neun Firmenteams paddelten in spannenden Staffelrennen um die Wette und am Ende musste sich der Titelverteidiger, „Team Liebherr“, geschlagen geben. Der neue Sieger heißt nun „SUP-Teamsport“, der ebenfalls den SUP-Quidditch Cup gewann. Auch die „Waterbiker“ der Uni Rostock konnten um so einiges schneller strampeln, da die Welle niedrig blieb. In ihren eigens konstruierten Booten nahmen die Studenten gern auch den einen oder anderen Sail-Gast auf ihren Parcour mit. Zwar versank eines der Waterbikes in den Fluten, aber die Theorie aus der Uni ist ja auch nicht immer gleich funktionierende Praxis und so nehmen die Studenten sicherlich zahlreiche neue Erkenntnisse mit zurück in den Hörsaal.

Besondere Aufmerksamkeit erhielten die kleinsten Teilnehmer im OSPA-Segelstadion – der Oberbürgermeister der Hanse- und Universitätsstadt Rostock, Roland Methling, überreichte bei der Siegerehrung des Krümelpokals, bei dem nur Kinder unter zehn Jahren teilnahmen, die Urkunden und dem Sieger, Julius Gau vom Yachtclub Warnow, den Pokal. „Die kleinen Optimisten haben tolle Bilder auf die Warnow gemalt“, freute sich das Stadtoberhaupt. Er sehe in den Kleinsten die Olympiasieger von morgen, die die Hansestadt Rostock weltweit bekannt machen und bereichern werden. Mit deutlich breiterem Kreuz als die „Krümel“ ruderten die Frauen und Männer beim Kutterpokal um die Wette. Von einer großen Fangemeinde angefeuert, gewann am Ende der Maritime Club aus Bernburg.

Einer der Organisatoren des OSPA-Segelstadions, Sebastian Reinke, zog ein überwiegend positives Resümee dieses Formates als Teil der 27. Hanse Sail: „Wir haben hier grandiosen Segelsport aus nächster Nähe gesehen, trotz des wechselhaften Wetters sind wir mit der Besucherzahl zufrieden.“ Zudem waren die Gäste dem Moderator aller Veranstaltungen im OSPA-Segelstadion, Dr. Martin Setzkorn, für seine Erklärungen und unterhaltsamen Kommentare dankbar. Somit sorgte nicht nur die örtliche Nähe zum Geschehen, sondern auch der sportlich fachliche Hintergrund für die „Geburt“ von zahlreichen neuen Segelexperten.

Neben den positiven Aspekten gibt es aber auch Kritikpunkte, die als Ansporn für die Weiterentwicklung in den nächsten Jahren gesehen werden. So vermissten viele Gäste ein Kulturprogramm auf der kleinen Bühne, das in diesem Jahr leider nicht angeboten wurde. In den vergangenen Jahren hatten hier Newcomer Bands zahlreiche neugierige Zuhörer und auch die umliegenden Crews auf den Traditionsschiffen begeistert. „Außerdem werden wir uns bemühen, im nächsten Jahr noch mehr spektakuläre Events und Shows rund um das Thema ‚Wasser‘ für die Gäste anzubieten“, so Reinke. (Jakob Schranck)

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